Frau von früher, Schimmelpfennig

Березниковский драматический театр, Berezniki, Russland

"Egal, was ich vor 30 Jahren gesagt haben soll – das zählt heute nicht mehr."

Wenn wir das Gesetz brechen, werden wir bestraft - zumindest die meisten von uns - wenn wir Schulden machen, müssen wir unsere Rechnung bezahlen - was aber ist mit all den Verletzungen und Wunden, die wir im Laufe unseres Lebens anderen Menschen zugefügt haben? Müssen wir dafür auch die Verantwortung tragen? Und was, wenn diese Menschen auf einmal aus dem Dunkel der Vergangenheit auftauchen und einfordern, was wir ihnen einst leichtfertig versprochen haben.


Das Stück "Frau von früher" des zeitgenössischen deutschen Autors Roland Schimmelpfennig ist ein Spiel mit der Zeit. Wie in einem Thriller werden unterschiedliche Zeitläufe aneinandergereiht, wechseln sich absurd komische mit tragischen Szenen ab. Es geht um Liebe und Verrat, kleine Lügen mit großen Konsequenzen, schmerzhafte Entscheidungen und vor allem um Verantwortung - Verantwortung für unsere eigenen Versprechen und Taten.

Vor dreißig Jahren waren Valentina und Gennadi ein Paar. "Vielleicht für einen oder zwei Sommer, wenn 's hoch kommt" - und trotzdem steht sie nun auf einmal vor der Tür und fordert von Gennadi dass er einlöst, was er ihr damals geschworen hat. Ewige Liebe hat keine Ablaufdatum. Nur dass Gennadi schon seit fast 30 Jahren mehr oder weniger glücklich mit Larissa verheiratet ist, mit der er einen fast erwachsenen Sohn hat, der seinem Vater nur all zu ähnlich geraten ist. "Siebenundzwanzig Jahre Eheleben kann man nicht so einfach abwaschen, die kleben fest" - aber was tun, wenn plötzlich die Vergangenheit vor der Tür steht und viel attraktiver wirkt als die trostlose Gegenwart voller Enttäuschungen und verlorener Möglichkeiten.

Wie die meisten von uns haben auch Roland Schimmelpfennigs Figuren keinen moralischen Kompass. Sie tun nicht das, was sie in erster Linie für richtig halten, sondern was ihnen vor allem als bequem erscheint. Und so verlieren sie sich immer tiefer in einer Dauerschleife schlechter Entscheidungen, bis sich aus einer zunächst komödienhaften Dreiecksgeschichte ein handfester Ehekrieg entwickelt, der schließlich sein Ende in einer Tragödie antiken Ausmaßes finden muss.

Mit: Dmitry Plokhov, Olga Shimyakina, Olga Lubitskaya, Maria Sidorova, Alexander Zubenin

Übersetzung: Ekaterina Raykova-Merz