Hiob, Roth

Teatrul Evreiesc de Stat, Bukarest, Rumänien

„Der Krieg hat nichts damit zu tun. Die Welt hat nichts damit zu tun. Wir sind es selbst. Wir haben nicht genug geliebt.“

Der fromme orthodoxe Jude Mendel Singer fristet mit seiner Frau und den vier Kindern ein armseliges Dasein als Lehrer in Zuchnow, einem Schtetl im zaristischen Russland zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Der jüngste Sohn, Menuchim, leidet an Epilepsie, doch mangelt es an Geld für eine Behandlung. Auch ist Mendel wegen seines strengen Glaubens und Zutrauens in Gott überzeugt, dass dieser allein über eine mögliche Heilung des Sohnes entscheiden wird. Die Jahre ziehen ins Land und die Kinder wachsen heran: Jonas, der Älteste, drängt zur Armee und sehnt sich danach, ein einfaches Leben als Bauer frei von den erdrückenden väterlichen Traditionen zu führen; der zweitgeborene Schemarjah will in die große Welt und flüchtet vor dem Militärdienst nach Amerika; Mirjam, die Tochter, treibt sich herum und lässt sich – zum Entsetzen ihres Vaters – mit Kosaken ein. Nur Menuchim spricht nach wie vor nicht mehr als ein einziges Wort.

Auf der Suche nach einem besseren Leben und um die Tochter vor den Konsequenzen ihrer eigenen Leidenschaften zu retten, folgt Mendel schließlich mit Frau und Tochter seinem Sohn Schemarjah nach Amerika. Doch muss er, auch wenn ihm darüber das Herz bricht, seinen jüngsten Sohn Menuchim in der alten Heimat zurücklassen. Für den Kranken scheint es keinen Platz zu geben in der Neuen Welt, man würde ihn nicht einlassen. Doch die Emigration steht erst am Anfang von Mendel Singers Leidensweg: auf den unterschiedlichen Seiten des Weltkriegs verliert er die beiden ältesten Söhne, seine Frau Debora stirbt vor Gram, die Tochter wird in eine Nerven-Heilanstalt eingewiesen und er selbst bleibt schließlich heimatlos in einem ihm fremden Land zurück. Da verflucht er das Letzte, was ihm geblieben ist: seinen Gott. 

Joseph Roth schickt in seinem 1930 erschienenen Roman „Hiob“ seinen Protagonisten Mendel Singer auf eine Odyssee, die sich an der Hiob-Gestalt des Alten Testaments orientiert. Ein einfacher Mann hadert in seiner höchsten Verzweiflung mit Gott und erlebt auf dem Höhepunkt seiner Qual schließlich ein nicht mehr erwartetes Wunder: die Wiedervereinigung mit dem verloren geglaubten und nunmehr genesenen jüngsten Sohn. Roth verlegt die Handlung seines Romans auf den Beginn des 20. Jahrhunderts. Das Thema der Emigration verbindet sich hier mit dem Zweifel an der Sinnhaftigkeit des eigenen Leidens und dem drohenden Verlust von Identität im Angesicht von ökonomischer Not und der Katastrophe des Ersten Weltkrieges. Joseph Roths „Hiob“ ist eine Geschichte über Identität und Heimat - und deren Verlust in einer Welt, in der materiellen Reize die Oberhand gewonnen haben.

Mit: ...

Bühne und Kostüme: ...
Übersetzung: Alma Andreescu